Aschenputtel und das geklaute Bild (für Alexandra)
Ein Bild im Museum klauen
ist wirklich ziemlich schwer,
im Internet jedoch nicht allzu sehr.

Auf einer Seite für Nachhilfeunterricht
findet der Prinz eins im World Wide Web.
Ja, spinn ich! – Schaut die aber nett!

Schwarzes, leicht welliges Haar,
ihr Gesichtsausdruck entzückend, charmant
– einfach nur wunderbar!
Dem Prinzen fehlen die Worte
und meint nur: „Verdammt!“

Vom Scheitel zu den Schulterblättern,
es gibt hier also nichts zu meckern.
Der restliche Körper ist nicht zu erkennen,
genügt aber für den Zauber,
unser Prinz kann jetzt nicht mehr pennen.

Auf dem Foto trägt sie einen Pulli in Pink,
die Farbe ist übrigens auch sein Ding.
Der Halsausschnitt hat eine Weite,
da zeigt sich an ihrer linken Schulterseite
der schwarze Träger ihres BHs.
Wie sind denn des Körbchens Maß?

Dem Prinzen wird es schwindelig.
„Jetzt mach schon, sei nicht pingelig!“
Der Versuchung nicht widerstanden,
landet die Bilddatei am Ende auf seiner Festplatte.
Morgen wird es auf seiner Homepage landen.
Das ist mit Sicherheit alles nicht legal,
aber der Prinz denkt sich: „Scheißegal!“

Wer ist die in rosarot eingepackte Dame?
Wo wohnt sie? Wie lautet ihr Name?
Ist sie eine Signora oder Signorina?
Lehrt sie in einer Schule fremde Sprachen?
Wenn ja, welche? Kann sie Italienisch prima?

Fragen über Fragen,
– was soll man dazu sagen?
Wird seine Neugierde jemals gestillt?
Lüftet sich bald das Geheimnis um diese Fee
auf diesem geklauten Bild?
Dunkle Wolken hängen am Himmel,
bereiten Aschenputtel viele Sorgen.
„Welcher Ärger nervt mich morgen?“
Heitere Stunden sind eine Ewigkeit her,
Aschenputtel vermisst Sonnenschein so sehr.
Wenn Dauerregen dir den Tag vermiest,
du dich in deiner Bude verkriechst,
dann bleib am besten im Bett
oder geh ins grenzenlose Internet.

Wie das Schicksal es nun mal so will,
findet Aschenputtel das geklaute Bild
auf seiner Homepage in den Weiten des Internets
– und ist wirklich ziemlich perplex!